PROJEKTBESCHREIBUNG

Ein Projekt von Nils Emde und Elena Getzieh

 

18 Jahre nach ihrer Eröffnung wurde im Frühjahr 2012 die Egalbar im hamburger Karolinenviertel, im Zuge der städtischen Nachverdichtung, abgerissen.

Damit verschwand ein Ort, der fast zwei Jahrzehnte lang sowohl Nachbarschaftskneipe, als auch Treffpunkt einer kulturellen, Kunst- und Musikinteressierten Szene war, die aktiv an der Gestaltung ihres Nachtlebens und ihres Treffpunktes mitwirkte, abseits einer Eventkultur und des reinen Konsums. Ein Ort, der aktiv das kulturelle Leben im Karolinenviertel bestimmte. Wohnzimmer und Soziotop seiner Zeit, war sie bereits zu Betriebszeiten zum Mythos geworden.

Das project.Egalbar untersucht exemplarisch einen gesellschaftlichen Gebrauchszusammenhang. Es archiviert, es dokumentiert, diskontinuierlich weilt es in der Gegenwart, ist gleichsam Möglichkeits- und Impulsraum wie auch Ort der Erinnerung. Hierfür bedient es sich den Mitteln des Fotografischen, des Rekonstruktiven, des Performativen, des Mobiliars, der Imagination und der sozietären Partizipation.

Die Installation besteht aus einem Nachbau der Räumlichkeiten der Egalbar. Der Nachbau wird mittels 1:1 Fotografien der original Wände gedruckt auf Tapete, sowie des original Mobiliars bestehend aus Tresen, Buffet, Tischen, Stühlen und div. Utensilien realisiert. Als Intervention im öffentlichen Raum erforscht es das künftig Mögliche und stellt Fragen nach der Essenz, dem Belang, der Tragweite von Raum und Ort und deren Transportierbarkeit, Transformation und Weiterentwicklung, einem kollektiven Bedürfnis und versteht sich als Versuchsanordnung im künstlerischen Kontext.


Im Zentrum stehen die Erfahrung und Etablierung gesellschaftlicher Gefüge sowie soziale, politische, kulturelle Sachverhalte und Fragestellungen. Die partizipative Installation wird hier als ein Möglichkeitsfeld begriffen, innerhalb dessen soziale und politische Belange sowie kommunitarische (den Menschen als soziales Individuum auffassende) Konzepte verhandelt werden.

Das Projekt ist langfristig angelegt und entwickelt sich fortschreitend, sowohl räumlich wie auch situativ. Als sozialer Prozess als Kunst verweist es auf einen fehlenden Teil einer Gesellschaft, auf einen Ort der nicht mehr existiert. Gleichzeitig vollzieht es in der Gegenwart die Gestalt eines neuen, wie auch (überraschend) vertrauten Möglichkeitsraumes, in dem sich Situationen konstituieren und in die Geschichte dieses Ortes neu einfügen.

Das Projekt besteht aus zwei Grundfeldern: Die partizipative Installation in der Gegenwart, sowie des dokumentarisch bzw. archivarischen Feldes. Das dokumentarisch bzw. archivarische Feld untersucht, befragt und dokumentiert die Entwicklungen eines gesellschaftlichen/sozialen Gefüges, es stellt Fragen an (Stadt) Entwicklungsprozesse. Die Forschungsergebnisse werden in Form von Druckerzeugnissen, Audios, Videos, Fotografien innerhalb der Installation zugänglich bzw. rezipierbar gemacht. So entstehen beispielsweise Interviews mit Gästen, Anwohnern, Angestellten, die in Form von kleinen Heften als Edition im Eigenverlag herausgegeben werden. Es ist ein 234 Seiten umfassendes Buch entstanden, welches die Lärmproblematik innerhalb des Hauses, in der sich die Bar befand, thematisiert.